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Auffassungen über die Natur astrologischer AussagenDie Auffassungen zur Frage der Natur der astrologischen Aussagen sollen in vier Gruppen zusammengefaßt werden, die Stufen der "Rigidität" der Forderung nach Objektivierbarkeit des behaupteten Wissens repräsentieren:
1. Esoterische Astrologie: Astrologisches Wissen ist
Offenbarungswissen. "Die Esoteriker erblicken
in der überlieferten astrologischen Lehre eine
von göttlichen Wesen oder erhabenen Denkern, wie
Hermes Trismegistos, geoffenbarte kosmische Philosophie,
die nur von Eingeweihten subjektiv nacherlebt und verstanden
werden kann". (KNAPPICH 1967, 309)
3. "Astrologie als Erfahrungswissenschaft"
(KLOECKLER 1925): Astrologische Aussagen beruhen auf
aus Beobachtungen abgeleiteten Regeln (etwa wie Regeln
des richtigen Anbaus von Wein) über systematisch
auftretende Koinzidenzen zwischen Himmelserscheinungen
und Abläufen auf der Erde . Diese Beobachtungen
führten zur Aufstellung eines Systems, welches
in Form von Metaphern und Allegorien tradiert wurde
und wird. Auch die Auffassungen von Astrologie als Erfahrungswissenschaft einerseits, Naturwissenschaft andererseits werden oft nicht auseinander gehalten. Die dritte Auffassung ist jedoch nicht festgelegt, was das zugrundeliegende "Weltbild" angeht; der Begriff der Erfahrung ist dort weiter auszulegen. Schließlich gehen auch die Esoterische und die Symbolische Astrologie in der Argumentation von Astrologen häufig ineinander über. Die einzelnen Auffassungen müssen aber wegen der Konsequenzen für eine mögliche Prüfung - vor dem Hintergrund der Angemessenheit der Methode - unterschieden werden. Esoterische Astrologie Für die Esoterische Astrologie ist eine Prüfung ihrer Aussagen weder notwendig noch möglich. Diese Auffassung von Astrologie ist daher für unsere Erörterungen nicht von Bedeutung. Astrologie als "Naturwissenschaft" Das Bedürfnis, den Zusammenhang zwischen Kosmos und Bios physisch-kausal verstehen zu können, ist alt. Das versuchte schon PTOLOMAEUS im 2. Jhd. (1822). Das Bedürfnis ist verständlich: ist doch für viele die "Undenkbarkeit" eines kausalen Zusammenhanges der Anlaß, die Astrologie schon von daher abzulehnen. Im Hintergrund steht dabei die Überzeugung, daß die Postulierung nicht-kausaler Zusammenhänge dem Bereich vorwissenschaftlichen Denkens, dem Bereich von Aberglauben und Magie angehören. "Ideologische" Schwierigkeiten dieser Art lösen sich oft auf überraschende Weise: Sie entpuppen sich als Scheinprobleme: Seit die Materie im Zuge der immer weiter fortschreitenden Auflösung ihrer aus der Alltagserfahrung gewohnten Eigenschaften (z. B. der Solidität oder Undurchdringlichkeit) keine selbstverständliche Kategorie mehr ist, so daß wir eigentlich gar nicht (mehr) wissen, was Materie überhaupt genau ist, entpuppt sich z. B. der Materialismus-Idealismus-Gegensatz als ein solches Scheinproblem. Materie wird immer "immaterieller" (WEIZSÄCKER 1971, 289, 312 ff). Ähnliches könnte sich für die Kategorie "Wirkung" bzw. "Ursache" einmal erweisen; erkenntnistheoretisch sind sie ohnehin keine "Selbstverständlichkeiten". Vertreter der Auffassung von Astrologie als einer "Naturwissenschaft" operieren häufig mit Analogien zu physikalischen Modellvorstellungen (MODERSOHN 1983). Es wird dabei meist nicht gesehen, daß diese Modellvorstellungen in den Naturwissenschaften nur einen heuristischen Wert haben (haben sollten!) und ihren Sinn erst aus der Zuordnung zu bestimmten experimentellen Anordnungen und durch eindeutige "Meßvorschriften" erhalten. Häufig liegt dieser Auffassung eine unreflektiert übernommene Verabsolutierung des Wahrheitsanspruchs der Naturwissenschaften zugrunde. Insbesondere wird die Relativität der Kategorie "Kausalität" nicht gesehen, weshalb auch für astrologische Zusammenhänge nach glaubwürdigen Ursachen gesucht wird, die dann in nicht näher bestimmbaren "Strahlen" (in Analogie zu Radiowellen) gesehen werden. Mit diesen Einwänden soll nicht die Fruchtbarkeit von Forschungen in Frage gestellt werden, die mit naturwissenschaftlichen Mitteln Beziehungen zwischen Kosmos und Mensch untersuchen, ganz im Gegenteil: Solche Untersuchungen haben jedoch für die Astrologie den gleichen Stellenwert, wie ihn Biologie und Physiologie für die Psychologie haben: Ebensowenig wie sich das gedankliche und emotionale Geschehen im Menschen vollständig auf biophysikalische und biochemische Veränderungen im Körper (einschließlich des Gehirns) reduzieren läßt - insbesondere nicht im Lichte der Erkenntnisse der Systemtheorie -, ebensowenig läßt sich die Astrologie in der derzeit praktizierten Form vollständig auf physikalische "Wirkungen" der Gestirne reduzieren, wenngleich in beiden Fällen unbestreitbar enge Beziehungen bestehen. Astrologie als Erfahrungswissenschaft Wenn Astrologie als Erfahrungswissenschaft bezeichnet wird, so soll damit ausgedrückt werden, daß die Behauptungen, die Astrologen aufstellen, nicht Glaubenssätze sind, sondern Erfahrungen, daß sie aus Beobachtungen abgeleitet werden und an der Beobachtung zu prüfen sind. Man stellt man sich dieses Prüfen allerdings oft einfacher vor als es im Falle der Astrologie tatsächlich ist. Insbesondere die frühen Arbeiten von CHOISNARD (1919, 1920) oder KRAFFT (1939) kranken dabei an methodischen Fehlern, wie GAUQUELIN (1960) nachgewiesen hat (referiert bei EYSENCK/NIAS 1982, 62ff), doch auch die meisten der zahlreichen neuen Untersuchungen zur Astrologie sind oft methodisch so dilletantisch angelegt, daß die Ergebnisse nicht interpretierbar sind (DEAN/MATHER 1977). Überblickt man die Forschungen der letzten Jahrzehnte, so gewinnt man den Eindruck, als beginne sich aus der hier gerade beschriebenen Auffassung von Astrologie auf der Basis einer besonders strikten Verfolgung eines rein empirischen Zugangs langsam eine ganz neue Art Astrologie zu entwickeln, eine "Neo-Astrologie" (GAUQUELIN 1983). Sie tendiert bei der "Erklärung" astrologischer Zusammenhänge zu naturwissenschaftlichen Konzepten, ohne jedoch der vereinfachenden Vorstellung von Planeten-Wirkungen in der oben beschriebenen Form zu verfallen. Mit der Symbolischen Astrologie hat sie kaum mehr gemeinsam als die Alchemie mit der Chemie, insbesondere im Hinblick auf die Methodik des Vorgehens: An die Stelle einer universalen, in Symbolen vermittelten "Theorie" über den Zusammenhang zwischen Kosmos und Mensch, tritt die Überprüfung von Einzelhypothesen über Korrelationen zwischen klar definierten astronomischen Einzelfakten und ebenso klar definierten isolierten Merkmalen einer Person, also Statistik (GAUQUELIN 1983, STARK 1985, EYSENCK/NIAS 1982, DWYER 1983a+b). Und es werden ausschließlich solche Regeln für die "Deutung" des Horoskops akzeptiert, die einer statistischen Überprüfung standgehalten haben bzw. die auf diese Weise erst entwickelt wurden. Diese Art der "Astrologie" ist untrennbar verknüpft mit dem Namen Michel GAUQUELIN. In mehr als 40jähriger Pionierarbeit unterzog er, zusammen mit seiner Frau Françoise, weite Teile der Klassischen Astrologie einer statistischen Analyse, indem er astrologische Regeln, die implizit oder explizit ja immer Aussagen über Häufigkeiten machen, mit den entsprechenden Planeten-Konstellationen korrelierte. Seine Arbeiten werden in diesem Kapitel noch ausführlicher dargestellt werden. Symbolische Astrologie Im Unterschied zur "Neo-Astrologie" als Beispiel eines konsequenten rein empirischen Zugangs hält die Symbolische Astrologiean der Gesamt-Struktur der Astrologie als einem in sich geschlossenen Aussage-System fest - man könnte sagen, sie hält an der "Gestalt" der Astrologie fest. Doch auch Astrologen, die Astrologie im Sinne der Symbolischen Astrologie verstehen, würden für sich in Anspruch nehmen, daß sie ihre Behauptungen an der Erfahrung prüfen. Sie gehen dabei von einem Begriff von Erfahrung aus, der weiter gefaßt ist: auch Erlebnisse der Evidenz gehören dazu. Ein weiterer wesentlicher Unterschied besteht darin, daß die Ebene der Symbole von der Ebene ihrer "Entsprechungen" getrennt gesehen wird, d. h. die Bedeutung eines Symbols ist nicht identisch mit seinen Entsprechungen: die Entsprechungen sind Beispiele; sie erläutern die Bedeutung des Symbols. Sie sind keine (operationalen) "Definitionen". Dabei wird implizit angenommen, daß es "etwas" gibt (eine "Idee"), was diese Symbole "eigentlich" sind.
Am leichtesten läßt sich das, was sie "eigentlich"
sind, in der Sprache der Systemtheorie formulieren,
wenn man die "Ebene der Wirklichkeit", deren
Struktur die Astrologie spiegelt, als die Ebene der
"System-Eigenschaften" versteht. Wie weit
das tatsächlich durchzuhalten ist, kann man beim
gegenwärtigen Stand der Forschung noch nicht abschließend
beurteilen. |
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